KUNSTLABOR

Franz XAVER

KUNSTLABOR wurde 1993 als eine Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie gegründet. Max Kossatz, den ich im "Labor für visuelle Medien" an der Hochschule für visuelle Mediengestaltung (Peter Weibel) kennengelernt habe, wurde zu einem der ersten Partner. Die Zusammenarbeit entwickelte sich äußerst positiv. Unser gemeinsames Interesse galt der Interdependenz von Kunst und Technologie. Es entstand eine breite Palette von spannenden Arbeiten. Bereits vor einem Jahrzehnt tauchte immer wieder die Frage auf, wie weit technologische Kenntnisse eine notwendige Voraussetzung für Künstler-innen sind, die im Bereich der Neuen Medien arbeiten. Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage kann bis heute nicht gegeben werden, da jede Installation aus einer eigenen Perspektive heraus betrachtet werden muss. Allerdings kristallisierte sich schon damals heraus, dass eine Kommunikation zwischen Kunst und Technologie für die Arbeit mit Neuen Medien im Kunstkontext nicht nur äußerst fruchtbar, sondern auch unverzichtbar ist. Als Begrifflichkeit für eine solche Kommunikation entstand KUNSTLABOR. Somit hatte dieses Labor nun nicht mehr den Zweck, das kreative Potential der Techniker-innen direkt an die Medienkünstler-innen weiterzuleiten, sondern die Entwicklungen und Konstrukte zwischen-zu-speichern. Zum einen wurden so die kreativen Leistungen der Bastler-innen erhalten, zum anderen wurde eine Wechselwirkung zwischen Kunst und Technologie aufgebaut. KUNSTLABOR konstituierte sich nie als Verein o.ä. KUNSTLABOR ist immer ein loser Zusammenschluss von Einzelpersonen geblieben, die sich regelmäßig getroffen haben. In den folgenden Jahren wurde KUNSTLABOR mit Oskar Obereder (später Silver Server) und Johnny Pichler (später SKUG Research) zunehmend in die Öffentlichkeit gebracht. Um die Galerie im Freihaus Wien formte sich mit Michi Lohn eine weitere Gruppe von technikinteressierten Personen und Künstler-innen und es wurde der "KUNSTLABOR-Stammtisch" ins Leben gerufen. Dort trafen sich regelmäßig Techniker-innen, Künstler-innen und Theoretiker-innen, so auch F.E. Rakuschan. Seine Inhalte wurden zu einem wesentlichen Bestandteil von KUNSTLABOR. Auseinandersetzungen und Provokationen des institutionalisierten Kunstbetriebes wurden durch ihn ein zusätzlicher Arbeitsbereich, wie etwa beim Projekt "Mehr Apparate Knacken". Loyalität war dadurch eine Grundvoraussetzung für das mediale Arbeiten im öffentlichen Bereich. In einer weiteren Phase hat auch Max Moswitzer im engeren Kreis mitgewirkt. In dieser Zeit, also noch vor der Verbreitung des Internet, wurde DIE ELEKTRONISCHE GALERIE programmiert. DIE ELEKTRONISCHE GALERIE war ein Netzwerk, bei dem fünfzig Künstler-innen die Möglichkeit hatten via FIDO-Technologie, Inhalte über Modem oder Fax in das System einzuspeisen. Auf den Sichtstellen des Netzwerkes wurden die Beiträge mit Urheberinformation versehen, und in einer Schleife max. 3 Tage lang angezeigt. Diese Bildebene des Netzwerkes war in allen Landeshauptstädten - an den hochkulturellen Stätten ;-) Österreichs sichtbar.
Die möglichen Sichtstellen waren:
CHANNEL 37 : Ein monochromer Bildkörper mit Leinwand, hinter der sich Rechner, Modem und Fernsehsender verbargen. Ein Fernseher, in der Nähe des Bildes aufgestellt, zeigte auf Kanal 37 das aktuelle Programm der ELEKTRONISCHEN GALERIE.
LCD - PANEL : In einem barocken Bildrahmen war ein TFT-Display eingearbeitet. Auf diesem konnte man direkt das Programm der ELEKTRONISCHEN GALERIE betrachten.
Ab dem Zeitalter des Internets war das alles nicht mehr nötig, denn es entstanden mit neuen Netzwerktechnologien, andere Perspektiven und Möglichkeiten.

F.E.Rakuschan1995